Was bedeutet Agroforstwirtschaft?
Welche Vorteile gibt es?
Das internationale Forschungsprojekt SAFE
Das Agroforstmodellfeld

Was bedeutet Agroforstwirtschaft?

Die Lavendelfelder in der Provence sind ein bekanntes Beispiel traditioneller Agroforstwirtschaft.

Im Unterschied zu herkömmlichen Landnutzungsformen wird in der Agroforstwirtschaft dieselbe Fläche zugleich land- sowie forstwirtschaftlich genutzt. Das kann dadurch geschehen, dass entweder unter bzw. zwischen den angepflanzten Bäumen oder Sträuchern Vieh weidet (pastural) oder landwirtschaftliche Nutzpflanzen wie z.B. Weizen, Kartoffeln, Raps, etc. angebaut werden (silvoarable). Agroforstwirtschaft als traditionelle und an die lokalen Bedingungen angepasste Wirtschaftsweise wird seit Jahrtausenden weltweit praktiziert. In Deutschland erinnern vor allem noch die zahlreich vorhandenen Streuobstwiesen daran, dass die gemischte Bewirtschaftung von Gehölzen und Futterpflanzen früher sehr üblich war. Durch die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft wurden jedoch viele dieser alten Systeme durch großflächige Monokulturen ersetzt. Ab Mitte der Siebziger gewannen ökologische Gesichtspunkte wieder an Bedeutung und man erkannte den Wert von Mischkulturen zur Erhaltung einer artenreichen Flora und Fauna. Seit den Achtziger zeigen Forschungen in Frankreich, Groß Britannien und Italien, dass agroforstliche Anbauformen auch so konzipiert werden können, dass trotz einer Extensivierung der Landwirtschaft für den Landwirt keinerlei Einkommensverluste entstehen müssen.

Weitere Informationen zum Thema Agroforstwirtschaft gibt es unter www.agropark.de sowie www.agroforst.de.

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Welche Vorteile gibt es ?

Der entscheidende Vorteil eines Agroforstsystems gegenüber herkömmlichen Monokulturen besteht in der wesentlich höheren Biodiversität. Sowohl unter als auch über der Erdfläche finden viel mehr Arten geeignete Lebensbedingungen. Die Interaktion zwischen den Gehölzen und dem Feldbestand fördern die Eigenregulierung des Wasser- und Nährstoffgehaltes des Bodens. Dadurch wächst einerseits der Baumbestand nachweislich deutlich schneller, und andererseits ist das gesamte Agroforstsystem resistenter gegen Schädlinge, Krankheiten und Klimaschwankungen. Mehrjährige verholzende Pflanzen sind zudem in der Lage Kohlenstoff zu speichern und tragen so zu einer Entlastung der Atmosphäre von CO² bei. Durch ein entsprechendes Design können Agroforstsysteme auch für das Landschaftsbild eine ästhetische Bereicherung darstellen.

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Das internationale Forschungsprojekt SAFE

Seit August 2001 ist FINIS e.V. der deutsche Partner in einem internationalen Konsortium namens "SAFE" an dem insgesamt 13 Forschungseinrichtungen aus acht verschiedenen Ländern beteiligt sind. "SAFE" bedeutet Silvoarable Agroforestry For Europe und untersucht die gemischte Bewirtschaftung von Forst (silvo) und Ackerland (arable) auf einer Fläche.
Basierend auf den Ergebnissen von Frankreich, Großbritannien und Italien, welche seit den 80 zigern theoretisch und praktisch im Bereich der Agroforstwirtschaft forschen, möchte "SAFE" die ökonomischen und ökologischen Vorteile dieser Bewirtschaftungsform verifizieren und mittels Modellversuche auf andere Länder übertragen.
Im Rahmen dieses Projektes hat FINIS e.V. unter anderem die Aufgabe übernommen ein Agroforstmodellfeld in Deutschland aufzubauen.

Ergebnisse und Informationen zu SAFE können auf der Website www.ensam.inra.fr/safe in Augenschein genommen werden.

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Das Agroforstmodellfeld

In unseren Überlegungen zum Aufbau eines Agroforstmodelles spielten zwei Fragen eine sehr wesentliche Rolle:

An welchem Ort soll das Feld entstehen? Und wer wird die Bewirtschaftung des Feldes gewährleisten?

Bei der Frage nach einem geeigneten Ort erschien es uns sehr wichtig eine Region auszuwählen die bekannt, attraktiv und gut erreichbar ist, damit möglichst viele Menschen von dem Projekt erfahren und es besuchen können. Vor Ort sollten die Menschen einem solchen Versuch gegenüber aufgeschlossen sein, sich sowohl für ökologische Fragen interessieren als sich auch für eine nachhaltige Entwicklung ihrer Umgebung engagieren.

Der landwirtschaftliche Betrieb sollte einerseits zuverlässig gewährleisten können, dass das Modellfeld kontinuierlich und langfristig bewirtschaftet wird und andererseits eine Infrastruktur besitzen, in der Gäste empfangen, bewirtet und Veranstaltungen durchgeführt werden können.

Der Schaalsee ist von Hamburg, Lübeck, Ratzeburg, Mölln und Schwerin in weniger als 1 Stunde mit dem Auto zu erreichen.

Nach sorgfältiger Suche sind wir deswegen sehr froh mit der Landwirtin Hannelore v. Witzendorff in Groß Zecher am Schaalsee sowohl eine Partnerin als auch eine Region gefunden zu haben, die unserer Meinung nach alle Vorraussetzungen erfüllen, die für den Erfolg eines solchen Modellversuches wichtig sind. Mit der Schließung eines Kooperationsvertrages im Mai 2002 wurde nun nicht nur der Grundstein zum Aufbau eines Agro-Forst-Modells gelegt, sondern auch die Gründung eines “Zentrums für Kunst und Nachhaltigkeit” in Angriff genommen, welches Themen und Anliegen der Agenda 21 künstlerisch bearbeiten, vermitteln und vor Ort realisieren möchte.

Zum Auftakt unserer Kooperation haben wir ganz im Sinne des “Zentrums für Kunst und Nachhaltigkeit” die Ankündigung des Agroforstmodellfeldes mit einer künstlerischen Aktion verbunden. Auf die spätere Fläche des Agroforstsystems säten wir mit bodenregenerierenden Pflanzen nach einem Entwurf von Frank Schumann ein Muster, welches eine Gruppe ziehender Kraniche symbolisierte. Zur Blüte der Pflanzen organisierten wir ein Fest, auf dem wir Anwohner und Akteure im Bereich der Regionalentwicklung über unsere Ideen und Vorhaben informierten.

Plan vom Agroforstmodellfeld in Groß Zecher
mehr Infos

Bei der Fläche für das Agroforstsystem handelt es sich um einen etwa 30 ha großen Schlag, der aufgrund des relativ schlechten und sandigen Bodens seit mehreren Jahren stillgelegt ist. Bei der Entwicklung des Designs für das Agroforstmodell berücksichtigten wir mehrere Faktoren. Die Form des Modells entwickelten wir entsprechend der gegebenen Topografie. Anhand der Höhenlinien wurde das Gelände in zwei Bereiche geteilt und ein Weg geplant, der es Besuchern ermöglicht durch die Mitte der Anlage hindurch zu spazieren, ohne dabei auf bestellte Flächen zu treten. Am Rand des Weges befinden sich verschiedene Baumarten, die dem Spaziergänger entweder durch ihre Blüte, Früchte oder Laubfärbung ein eindrucksvolles ästhetisches Erlebnis vermitteln sollen. Die Baumreihen innerhalb des Feldes haben einen Abstand von 30 m, damit die Zwischenstreifen effektiv mit großen Maschinen bewirtschaftet werden können. Die südliche Seite des Weges enthält Baumarten, die als Vogelnährholz und Nahrungsquelle für Insekten besonders wertvoll sind, über gute Holzqualitäten verfügen und den Standortbedingungen angepasst sind. Für die nördliche Seite haben wir Baumarten ausgewählt, die ein besonders wertvolles Holz liefern, aber durch ihre Konkurrenzschwäche mittlerweile nur noch selten in den Wäldern vorkommen. Hierbei möchten wir herausfinden, ob die Agrofortwirtschaft gerade auch problematischeren Baumsorten bei ihrer Entwicklung helfen kann. Für beide Seiten werden Waldvergleichsflächen angelegt, damit eine Beurteilung des Einflusses der Bodenfrüchte auf das Baumwachstum möglich ist.

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Dorfstrasse 18
23883 Groß Zecher

 


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