Bei der Entwicklung unserer Projekt benutzen wir vorwiegend "künstlerische Methoden". Denn durch die "Brille" der Kunst ist es möglich mit den einstudierten Routinen der Wahrnehmung zu brechen und ästhetische Qualitäten möglichst vorurteilsfrei zu erkennen. Besonders deutlich wird dieses durch ein "Spiel", das Herman Prigann im Rahmen einer von uns realisierten Qualifizierungsmaßnahme für arbeitslose Landwirte und Gartenbauer veranstaltet hatte.

Er forderte die Teilnehmer auf einem Spaziergang durch die örtliche Umgebung auf, alle möglichen Dinge, die sie in der Landschaft entdeckten, zu sammeln. Wieder angekommen wurden die Sachen auf dem Fußboden ausgebreitet und sollten nun auf einem großem Blatt Papier geordnet werden. Zu Beginn wurden die Dinge nach ihren üblichen Kategorien wahrgenommen und sortiert. Leere Flaschen kamen zur Abteilung Müll, Blätter wurden in die Sparte Naturmaterialien gelegt usw.. Erst nach einiger Zeit begannen die Teilnehmer über diese klassische Einteilung auch andere Eigenschaften wahrzunehmen und konstruierten neue Zusammenhänge. So entstanden in ein paar Stunden auf dem Papier völlig unterschiedliche Bilder, in denen entsprechend den wahrgenommenen Eigenschaften die Dinge ihre Position und ihre Bedeutung veränderten.

An diesem Beispiel wird sehr deutlich, wie sehr sich die Wahrnehmung an Sehgewohnheiten orientiert. Dadurch bleiben alte Zusammenhänge und Bedeutungen bestehen. Wenn wir jedoch Dinge verändern wollen, müssen wir vorurteilsfrei dem sich uns Begegnenden entgegentreten. Denn nur auf diese Weise können wir "Altes" innovativ neu zusammenfügen.

Dieses Prinzip versuchen wir nicht nur wie in dem genannten Beispiel reflexiv, sondern auch praktisch in dem Umgang mit Landschaft und den darin stattfindenden Tätigkeiten anzuwenden.

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Das obere Bild zeigt eine Luftaufnahme vom"Farbfeld Gröden 2000"

Durch diese neue "Organisation" der Dinge entstehen neue Arrangements in der Landschaft, die sich nicht nur als "Landschaftszeichen" niederschlagen, sondern an denen sich soziale und ökologische Aspekte knüpfen lassen.
Bei den von uns entwickelten "Farbfelder" und "Strohlandschaften" haben wir z.B. ganz typische landwirtschaftliche Vorgänge, wie das Bestellen eines Feldes und das Herstellen von Strohballen, aufgegriffen, um das ästhetische Potential dieser Arbeiten hervorzuheben. Dadurch stand nicht mehr die Effizienz der Tätigkeit im Mittelpunkt, sondern der visuelle Ausdruck, der durch die Arbeit in der Landschaft hinterlassen wird. Neben dem veränderten Arbeitsrhytmus entstanden Landschaftsinszenierungen, die wir als Raum für Veranstaltungen nutzten. Bei den Farbfeldern haben wir auf die bearbeiteten Flächen bodenregeneriende Pflanzen gesät, die sich zusätzlich auch als "Bienenweide" eigenen.

 


Die "Strohlandschaften" fanden 1999 in der Prignitz statt. Auf drei Feldern wurde gemeinsam mit Landwirten unter der Anleitung von Herman Prigann, Frank Schumann und Bernd Schindler unterschiedliche Strohformationen aufgebaut. In der oben zu sehenden "Strohlandschaft" leitete Bettina Mainz einen Tanzworkshop, dessen Ergebnis vor mehreren hundert Zuschauern aufgeführt wurde.

 


 
   
 
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